Lichterführung verstehen: Positionslichter richtig lesen und steuern

Sportboot in der Dämmerung mit gesetzten Positionslichtern auf See

Lichterführung verstehen: Positionslichter richtig lesen und steuern

Inhaltsverzeichnis

Tagsüber ist alles einfach. Du siehst ein anderes Boot, erkennst seine Form, seinen Kurs, seine Größe – ein Blick genügt. Nachts bleibt davon nichts übrig. Nur ein paar farbige Punkte in der Dunkelheit, und aus denen musst du herauslesen, wohin das Fahrzeug fährt und wer wem ausweichen muss.

Genau deshalb steht die Lichterführung in jeder Prüfung zum Sportbootführerschein See (SBF See). Und deshalb ist sie mehr als Theorie: Sie entscheidet auf dem Wasser über Sicherheit.

Klingt kompliziert? Ist es nicht. Hinter all den Lichtern steckt ein überschaubares System. Vier Grundlichter, feste Sektoren – hast du die einmal verstanden, liest du die meisten Nachtsituationen fast automatisch.

Außerdem erfährst du:

  • welche Bereiche Backbord-, Steuerbord-, Heck- und Topplicht abdecken,
  • wie weit die Lichter je nach Bootsgröße reichen müssen,
  • und woran du auf einen Blick einen Segler von einem Motorboot unterscheidest.

Warum die Lichterführung über Sicherheit entscheidet

Ein Positionslicht verrät dir drei Dinge gleichzeitig. Wo das andere Fahrzeug ist. Wohin es fährt. Und was für ein Fahrzeug es überhaupt ist. Aus diesen drei Informationen ergibt sich, wer nach den Ausweichregeln seinen Kurs hält – und wer Platz macht.

Ein Beispiel aus der Praxis: Du siehst vor dir in der Nacht nur ein einzelnes rotes Licht. Mehr nicht. Das reicht schon. Du blickst auf die Backbordseite eines anderen Bootes, das deinen Kurs von rechts nach links kreuzt. Ob dein nächstes Manöver sicher oder brenzlig wird, hängt davon ab, dass du das in Sekunden richtig deutest.

Die Positionslichter und ihre Sektoren

Vier Lichter bilden die Basis. Und entscheidend ist nicht allein die Farbe, sondern der Sektor – also der Winkel, in dem ein Licht überhaupt zu sehen ist.

Draufsicht mit Sektoren der Positionslichter: grün Steuerbord 112,5°, rot Backbord 112,5°, weißes Hecklicht 135°
  • Backbordlicht – rot: strahlt über 112,5° nach vorne-links.
  • Steuerbordlicht – grün: dasselbe nach vorne-rechts, ebenfalls 112,5°.
  • Hecklicht – weiß: übernimmt die hinteren 135°.
  • Topplicht (Dampferlicht) – weiß: strahlt nach vorne über 225° und sitzt höher als die Seitenlichter.

Zähle die ersten drei zusammen: 112,5° plus 112,5° plus 135° macht genau 360°. Kein Zufall. Egal, aus welcher Richtung dich jemand ansieht – er hat immer genau eines deiner Lichter im Blick, nie zwei widersprüchliche.

Sichtweiten: wie weit die Lichter reichen müssen

Wie weit ein Licht sichtbar sein muss, richtet sich nach der Länge des Fahrzeugs. Die zentralen Werte nach den Kollisionsverhütungsregeln (KVR):

Fahrzeuglänge

Topplicht

Seitenlichter

Hecklicht

ab 50 m

6 sm

3 sm

3 sm

12 bis unter 50 m

5 sm (3 sm bei unter 20 m)

2 sm

2 sm

unter 12 m

2 sm

1 sm

2 sm

Für dein Sportboot zählen vor allem die beiden unteren Zeilen. Die Logik dahinter ist einfach: Je größer das Fahrzeug, desto weiter reichen seine Lichter. Ein Frachter taucht nachts also schon am Horizont auf, während ein kleines Sportboot erst spät zu erkennen ist – ein Grund mehr, selbst früh und deutlich Licht zu zeigen.

Warum du Rot und Grün nie zugleich falsch siehst

Die Seitenlichter sind abgeschirmt. Das grüne scheint nicht nach Backbord, das rote nicht nach Steuerbord. Kommt dir jemand direkt entgegen, siehst du deshalb beide nebeneinander – rot und grün. Scherst du zur Seite aus, fällt eines weg. Diese simple Abschirmung ist der ganze Grund, warum die Lichter überhaupt eine eindeutige Richtung liefern.

Wer zeigt welche Lichter?

Die Lichter verraten dir auch, mit was für einem Fahrzeug du es zu tun hast. Für Sportskipper zählt vor allem ein Unterschied: Maschine oder Segel.

Vergleich der Lichterführung von Maschinenfahrzeug und Segelfahrzeug in Fahrt

Maschinenfahrzeug in Fahrt

Fährt ein Fahrzeug mit Maschine, zeigt es Topplicht, Seitenlichter und Hecklicht. Das weiße Topplicht über den bunten Seitenlichtern ist dabei das verräterische Merkmal – siehst du es, ist Maschinenkraft im Spiel. Große Pötte ab 50 Metern setzen sogar zwei Topplichter hintereinander, das hintere höher. Praktisch für dich: Daran erkennst du grob Länge und Fahrtrichtun

Segelfahrzeug in Fahrt

Ein Segler unter Segel zeigt nur Seitenlichter und Hecklicht. Kein Topplicht. Fehlt oben also das weiße Licht, hast du mit ziemlicher Sicherheit einen Segler vor dir. Kleinere Yachten unter 20 Metern dürfen die drei Lichter zu einer Dreifarbenlaterne im Masttop zusammenfassen – ein Licht, das alle drei Sektoren übernimmt. Eine dritte Variante ist rot über grün im Topp und die Seitenlichter.

Ein Fallstrick, der gern übersehen wird: Sobald ein Segelboot die Maschine anwirft, gilt es rechtlich als Maschinenfahrzeug. Dann muss das Topplicht gesetzt werden, auch wenn die Segel noch stehen. Wer solche Feinheiten sicher parat hat, tut sich in der Theorieprüfung zum SBF See und Binnen deutlich leichter.

Vor Anker und kleine Fahrzeuge

Liegt ein Fahrzeug vor Anker, zeigt es ein weißes Rundumlicht – das Ankerlicht, rundum sichtbar. Ganz kleine Fahrzeuge wie Ruderboote müssen keine festen Lichter führen. Sie brauchen aber ein weißes Licht in Griffweite, das sie rechtzeitig zeigen, bevor es eng wird.

Lichter deuten: was du aus einer Nachtsituation abliest

Jetzt kommt die eigentliche Kunst – aus den Punkten die Lage lesen. Ein paar Bilder, die dir immer wieder begegnen:

  • Nur ein rotes Licht? Du siehst die Backbordseite. Das Fahrzeug zieht von rechts nach links an dir vorbei.
  • Nur ein grünes Licht? Steuerbordseite – es läuft von links nach rechts.
  • Rot und grün nebeneinander, darüber ein weißes Topplicht? Ein Maschinenfahrzeug kommt dir fast genau entgegen.
  • Nur ein weißes Licht voraus? Du schaust aufs Heck – du bist der Schnellere und läufst auf.

Dieselben Muster tauchen später beim Sportküstenschifferschein (SKS) wieder auf, dann mit ein paar kniffligen Sonderfällen mehr. Wer sie hier verinnerlicht, hat es dort leichter.

Prüfungstipp: eine Lichter-Frage sicher lösen

In der Theorieprüfung zum SBF See und Binnen – und genauso beim SKS – bekommst du oft ein abgebildetes Zeichen und sollst Bedeutung oder Passierseite nennen. So gehst du sicher vor:

Schritt für Schritt

Typische Prüfungsfrage: eine Nachtsituation, beschrieben oder abgebildet, und du sollst Fahrzeugart oder Ausweichpflicht nennen. Geh sie in dieser Reihenfolge durch:

🔧 Schritt für Schritt

  1. Farben erfassen: Welche Lichter siehst du – und wo?
  2. Topplicht: ja oder nein? Weißes Topplicht heißt Maschine. Fehlt es, ist es ein Segler.
  3. Seite bestimmen: Rot ist Backbord, Grün ist Steuerbord, nur Weiß ist das Heck.
  4. Erst dann die Regel anwenden. Nicht vorher raten.

🔎 Hinweis: Solche Nachtbilder zeigen wir in unseren Kursen in 3D – so prägen sie sich ein, statt bloß auswendig gelernt zu werden.

Fazit: Aus Lichtern wird ein klares Bild

Am Anfang wirkt die Lichterführung wie ein Durcheinander aus Farben und Winkeln. Dahinter steckt aber ein festes Muster: vier Grundlichter, klare Sektoren, eindeutige Regeln je Fahrzeugart. Lies Farbe, Topplicht und Sektor zusammen – und du erkennst Kurs und Fahrzeugtyp in Sekunden. Nachts wie in der Prüfung.

Am schnellsten sitzt das, wenn du die Situationen nicht nur liest, sondern siehst. Genau dafür bauen wir bei SegelnAG die Lichterbilder in realistische 3D-Nachtszenen und koppeln sie direkt an die Prüfungsfragen. Wie das in die gesamte Ausbildung passt, zeigt dir unser Überblick über alle Bootsführerscheine 2026.

👉 Sicher durch die Nacht? Starte mit dem SBF-See-Onlinekurs von SegelnAG und lerne die Lichterführung so, wie du sie später wirklich brauchst.

Juristischer Disclaimer:

Dieser Artikel stellt keine Rechtsauskunft dar und ersetzt keine anwaltliche Beratung oder behördliche Auskunft zum behandelten Thema. SegelnAG übernimmt keine Haftung.

Share:

Facebook
Twitter
Pinterest
LinkedIn

Ähnliche Beiträge